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Karat live am Heinrich-Heine-Ufer in Brandenburg an der Havel Karat live am Heinrich-Heine-Ufer in Brandenburg an der Havel

KARAT in Brandenburg: 50 Jahre Musik, Erinnerungen und ein Abend für den Frieden

Sturm und Regen konnten die Stimmung nicht trüben: KARAT feierte 50 Jahre Musikgeschichte mit bewegenden Erinnerungen in Brandenburg.

Inhaltsverzeichnis

Erst Sturm und Starkregen – dann KARAT unter einem milden Spätsommerhimmel

Noch eine halbe Stunde vor Konzertbeginn sah es nicht danach aus, als würde dieser Abend überhaupt stattfinden können. Beim Aufbau peitschten Sturm und Starkregen über das Gelände. Bühne und Technik mussten unter schwierigsten Bedingungen vorbereitet werden.

Doch während der Technik noch gegen das Wetter kämpfte, kamen die Brandenburger längst zum Konzert. Regenponchos, Schirme und Decken für die Sitzplätze waren dabei. Bier wurde geholt, eine Grillwurst gehörte für viele ebenfalls dazu, Plätze wurden gesucht – und trotz des noch fallenden Regens herrschte eine erstaunlich ausgelassene und entspannte Stimmung. Dann kam die Wetterwende. Pünktlich zum Konzertbeginn um 20 Uhr hörte der Regen auf.

Aus einem Abend, der beinahe ins Wasser gefallen wäre, wurde ein milder Spätsommerabend. Ein leichter Wind blieb, der Regen aber war verschwunden. Und die Brandenburger waren bereit für 50 Jahre KARAT.

Die Musik machte den Regen vergessen

Was danach am Heinrich-Heine-Ufer in Brandenburg an der Havel passierte, hatte mit dem Wetter kaum noch etwas zu tun. Viele sangen mit, andere tanzten und feierten, wieder andere hörten einfach entspannt zu. Es war diese Mischung aus ausgelassener Freude und Gelassenheit, die den Abend prägte. Und die Musik machte nicht am Zaun halt. Rund um den leicht abgegrenzten Konzertbereich standen ebenfalls Menschen. Ein Sichtschutz versperrte teilweise den direkten Blick auf die Bühne. Doch die Musik drang nach draußen – und mit ihr die Stimmung. Auch dort wurde getanzt, gefeiert und die Musik genossen. Das Konzert hatte damit längst seine Grenzen überschritten.

Konzert-Besucher ließen es sich nicht nehmen, KARAT live zu erleben.
Konzert-Besucher ließen es sich nicht nehmen, KARAT live zu erleben.

50 Jahre KARAT – und zwei Generationen Dreilich

50 Jahre KARAT sind auch 50 Jahre Geschichten. Eine davon verbindet zwei Generationen der Familie Dreilich. 1982 stand Herbert Dreilich mit KARAT bei „Rock für den Frieden“ in der DDR auf der Bühne. Sein Sohn Claudius war damals zwölf Jahre alt und erlebte seinen Vater bei einem Konzert. Heute steht Claudius selbst dort, wo einst sein Vater stand – als Frontmann von KARAT. Aus dem zwölfjährigen Jungen, der seinen Vater auf der Bühne sah, wurde Jahrzehnte später selbst ein Teil dieser Bandgeschichte.

Karat-Frontsänger Claudius Dreilich
Karat-Frontsänger Claudius Dreilich

Und damit bekommt auch das Thema Frieden eine besondere Bedeutung. „Rock für den Frieden“ gehört zur Geschichte von KARAT. Mehr als vier Jahrzehnte später ist der Wunsch nach Frieden noch immer aktuell – und damit auch Teil dieses Konzertabends.

Wenn eine Gitarre für vier Saiten reicht

Doch es waren nicht nur die großen Themen, die den Abend besonders machten. Claudius Dreilich nahm das Publikum zwischendurch auch mit in eine ganz persönliche Erinnerung aus seiner Jugend. Es ging um ein Mädchen, das er unbedingt beeindrucken wollte – und um eine Gitarre. Nur hatte die Gitarre nicht sechs, sondern gerade einmal vier Saiten. Für Claudius offenbar kein Grund, den Versuch aufzugeben. Schließlich wollte man als junger Mann Eindruck machen.

Claudius Dreilich an seiner Gitarre
Claudius Dreilich an seiner Gitarre

Mit viel Humor erzählte er die kleine Geschichte und brachte damit das Publikum zum Schmunzeln. Eine Episode aus jungen Jahren, die zeigte, dass auch ein KARAT-Sänger einmal klein angefangen hat – und dass es für einen großen Eindruck manchmal offenbar auch mit vier Saiten gehen musste. Solche persönlichen Geschichten machten den Abend nahbar. Zwischen den großen Songs gab Claudius immer wieder etwas von sich und seiner Geschichte preis.

Wenn der Vater heute noch dabei ist

Und dann ist da die Geschichte seines Vaters Herbert. Herbert Dreilich starb 2004. Ein Jahr später übernahm Claudius den Platz seines Vaters als Sänger von KARAT. Mehr als zwei Jahrzehnte später steht Claudius noch immer am Mikrofon dieser Band. Die Verbindung zu seinem Vater ist dabeigeblieben. Besonders spürbar wird sie bei „Mich zwingt keiner auf die Knie“ – einem Lied, das für Claudius eine ganz persönliche Bedeutung hat und mit der Erinnerung an seinen Vater verbunden ist. Auch „Bohemian Rhapsody“ bekam an diesem Abend durch die Geschichte von Vater und Sohn eine besondere Ebene. So wurde aus den Liedern immer wieder mehr als nur Musik. Hinter ihnen standen Erinnerungen, Menschen und Geschichten.

Bühne und Publikum werden eins

Vielleicht war genau das die besondere Stärke dieses Konzertabends. KARAT spielte nicht einfach für ein Publikum – und das Publikum hörte nicht einfach nur zu. Zwischen Bühne und Menschen entstand eine spürbare Verbindung. Viele sangen mit. Andere tanzten und feierten. Wieder andere hörten nur zu und genossen den Abend. Die Energie ging von der Bühne ins Publikum und kam von dort zurück. Und selbst diejenigen, die außerhalb des eigentlichen Konzertbereichs standen, wurden Teil dieser Atmosphäre. Die Musik hatte ihren eigenen Weg gefunden.

50 Jahre – und der Abend geht weiter

So wurde aus einem Konzert, das wetterbedingt zunächst auf der Kippe stand, schließlich ein Abend, an dem der Regen kaum noch eine Rolle spielte. Sturm und Starkregen beim Aufbau. Ein Publikum, das trotzdem kam. Ein Wetterumschwung genau zum Konzertbeginn. 50 Jahre KARAT. Geschichten über Väter und Söhne, Erinnerungen, Liebe und Frieden. Und während die Besucher nach und nach den Veranstaltungsort verließen, war der Arbeitstag für die Technik noch lange nicht vorbei. Das Equipment musste nach dem Regen zunächst getrocknet, anschließend verladen und für den nächsten Tag vorbereitet werden. Der nächste Aufbau wartete bereits. Das Publikum konnte dagegen einen besonderen Abend mit nach Hause nehmen.

50 Jahre KARAT – nicht nur ein Jubiläum, sondern ein Abend voller Musik, Erinnerungen und Begegnungen. Und vielleicht war es genau das, was diesen Abend in Brandenburg so besonders machte: Die Musik kam von der Bühne – aber gefeiert wurde sie überall.

 

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