Wer nach Havelberg kommt, merkt schnell: Diese Stadt muss man nicht erst groß erklären. Man muss einfach ein wenig durch ihre Straßen laufen, den Blick schweifen lassen und sich Zeit nehmen. Ganz im Nordosten Sachsen-Anhalts liegt die Hansestadt Havelberg – dort, wo die Havel kurz vor ihrer Mündung in die Elbe fließt. Historisch gehört die Stadt zur Prignitz. Ihre Lage unmittelbar an der Grenze zu Brandenburg macht Havelberg zugleich zu einem Bindeglied zwischen Altmark, Prignitz und Havelland
Schon bei der Fahrt in Richtung Altstadt fällt der Blick auf den Dom. Hoch über der Havel prägt der Domberg das Stadtbild und gibt Havelberg sein unverwechselbares Gesicht.
Eine Stadt zwischen Wasser und Geschichte
Havelberg ist eine Stadt, die man am besten zu Fuß entdeckt. Die Altstadt liegt auf einer Insel in der Havel, während sich der Dombezirk auf einer Anhöhe darüber erhebt. Wasser, alte Häuser, kleine Gassen und rote Ziegeldächer bestimmen das Bild.
Besonders schön ist der Blick von oben über die Dächer der Stadt. Zwischen den vielen roten Ziegeln ragen Kirchtürme und historische Gebäude hervor, während die Havel die Stadt immer wieder ins Bild holt.
Dabei wirkt Havelberg angenehm unaufgeregt. Hier reiht sich nicht Sehenswürdigkeit an Sehenswürdigkeit; vieles entdeckt man eher nebenbei.
Ein altes Fachwerkhaus, ein Blick über das Wasser, ein kleiner Garten – oder einfach eine Häuserzeile, die im richtigen Licht plötzlich zum Fotomotiv wird.
Der Dom St. Martin auf dem Domberg
Das wohl prägendste Bauwerk Havelbergs ist der Dom St. Marien. Hoch über der Stadt gelegen, gehört er zu den markantesten Bauwerken der Region und liegt an der „Straße der Romanik“. Der Dom wurde 1170 als romanische Basilika geweiht und war über Jahrhunderte eng mit der Geschichte des Bistums Havelberg verbunden. Heute ist er vor allem eines: ein beeindruckendes Zeugnis verschiedener Epochen. Wer durch die Anlage läuft, spürt schnell, wie viel Geschichte in diesem Ort steckt.
Besonders eindrucksvoll ist der Kreuzgang. Rote Backsteine, Gewölbe und das Wechselspiel von Licht und Schatten schaffen eine Atmosphäre, die sich kaum mit einem modernen Bauwerk vergleichen lässt. Man läuft durch diesen langen Gang und entdeckt immer wieder neue Details. Das Mauerwerk ist nicht überall glatt und perfekt – gerade das macht den Reiz aus. Die Spuren der Jahrhunderte gehören hier einfach dazu.
Auch im Inneren des Doms gibt es viel zu entdecken. Die farbigen Glasfenster bringen Licht in den eher zurückhaltenden Kirchenraum. Besonders auffällig ist die große Triumphkreuzgruppe, aber auch der Lettner und der Renaissance-Taufstein erzählen von unterschiedlichen Zeiten und Veränderungen innerhalb des Gotteshauses.
Der Dechaneigarten – Garten mit Aussicht
Direkt am Dom befindet sich der Dechaneigarten, ein ruhiger Ort, der Geschichte, Pflanzenvielfalt und Aussicht miteinander verbindet. Der ehemalige Klostergarten wurde nach der Bundesgartenschau 2015 wieder stärker in den Mittelpunkt gerückt. Unterschiedliche Stauden, Kräuter und farbenfrohe Pflanzen prägen heute die kleinteilig angelegte Gartenanlage.
Besonders schön ist dabei die Verbindung zwischen Garten und Landschaft. Über Stege und Rampen lässt sich der Bereich erkunden und gleichzeitig der Blick über Havelberg genießen. Es ist einer dieser Orte, an denen man nur kurz vorbeischauen möchte – und dann meistens doch länger bleibt als gedacht.
St. Laurentius – mitten in der Altstadt
Vom Domberg führt der Weg wieder hinunter in die Altstadt, wo Havelberg noch einmal ein anderes Gesicht zeigt. Dort steht die Stadtkirche St. Laurentius. Sie wird erstmals im Jahr 1340 erwähnt und gehört zu den ältesten erhaltenen Bauwerken auf der Altstadtinsel.
Die gotische Hallenkirche wirkt von außen zunächst deutlich zurückhaltender als der Dom. Im Inneren zeigt sich jedoch schnell, dass auch hier einiges zu entdecken ist. Besonders sehenswert ist die barocke Scholtze-Orgel aus dem Jahr 1754. Dazu kommen der kunstvoll gestaltete Sakristeischrank und der Altar. Gerade der Blick auf die Orgel zeigt, wie unterschiedlich die Eindrücke in den beiden Havelberger Kirchen sind: Hier die mittelalterliche Backsteinarchitektur, dort barocke Formen und reich verzierte Details.
Und dann ist da noch die Havel
Bei einem Besuch in Havelberg gehört das Wasser einfach dazu. Immer wieder öffnet sich zwischen den Häusern der Blick auf die Havel. Boote liegen am Ufer, kleine Stege führen ans Wasser und die Stadt spiegelt sich je nach Tageszeit in der ruhigen Oberfläche.
Von den Ufern ergeben sich gleichzeitig einige der schönsten Ansichten auf den Domberg und die Altstadt. Besonders reizvoll sind die Perspektiven von der Havel aus: Brücken führen über die Wasserläufe, dahinter steigen die Häuser und Kirchen der Stadt an. Der Dom bildet dabei immer wieder den Orientierungspunkt.
Havelberg zeigt sich hier von seiner vielleicht schönsten Seite – nicht als einzelne Sehenswürdigkeit, sondern als Zusammenspiel von Wasser, Landschaft, Häusern und Geschichte.
Ein Blick zurück – und einer nach vorn
Wer Havelberg kennt, erinnert sich vielleicht noch an die Bundesgartenschau 2015. Damals war die Stadt Teil der BUGA Havelregion und wurde einem großen Publikum präsentiert.
Mehr als zehn Jahre später sind die Spuren der großen Gartenschau nicht mehr überall offensichtlich. Geblieben ist aber der Eindruck einer Stadt, die ihre besondere Verbindung von Landschaft, Wasser und Geschichte bewahrt hat
Rückblick zur BUGA 2015 in Havelberg
Einige Eindrücke von meinem Besuch zur Bundesgartenschau 2015 sind bis heute geblieben.
Vielleicht liegt genau darin die Stärke Havelbergs: Die Stadt wirkt nicht laut, sondern bleibt im Gedächtnis, weil sich ihre Eindrücke nach und nach zusammensetzen. Man kommt nicht unbedingt hierher, um möglichst viele Punkte auf einer Liste der Sehenswürdigkeiten abzuarbeiten. Man kommt, um durch eine alte Stadt zu laufen, auf den Domberg zu steigen, in eine Kirche hineinzuschauen, am Wasser entlangzugehen und zwischendurch einfach stehen zu bleiben.
Havelberg muss man entdecken
Havelberg ist keine Stadt, die sich einem auf den ersten Blick vollständig erklärt. Ihre schönsten Seiten zeigen sich erst, wenn man sich treiben lässt und den Blick für Details nicht verliert.
Da ist der Blick über die roten Dächer, der Dom, der über der Stadt thront, das alte Fachwerk in der Altstadt, die Backsteingewölbe des Kreuzgangs, die bunten Kirchenfenster, eine barocke Orgel – und schließlich die Havel, die alles miteinander verbindet.
Wer mit offenen Augen durch Havelberg geht, findet deshalb nicht nur Geschichte, sondern auch viele Fotomotive. Und genau deshalb lohnt es sich, den Fotoapparat griffbereit zu haben.
- Weitere Informationen
- Hansestadt Havelberg













































