Mit ihrem Auftritt in Dunkelforth zeigte KEIMZEIT, warum die Band seit mehr als vier Jahrzehnten zu den wichtigsten musikalischen Botschaftern Brandenburgs zählt.
Am 13. Juni schlugen die Musiker auf dem Gelände des Hotels „Am Meilenstein“ ein weiteres Kapitel ihrer langen Bandgeschichte auf. Trotz zeitweiser Regenschauer ließen sie sich die Spielfreude nicht nehmen und präsentierten einen Konzertabend, der Vergangenheit und Gegenwart miteinander verband.
Vor mehreren hundert Besuchern entfaltete sich ein Konzertabend, der Vergangenheit und Gegenwart miteinander verband. Bekannte Klassiker trafen auf neuere Titel, nachdenkliche Momente wechselten sich mit humorvollen Geschichten ab. Dabei wurde einmal mehr deutlich, warum die Musiker bis heute eine Ausnahmestellung in der deutschen Musiklandschaft einnehmen.
Das Publikum erlebte einen Querschnitt durch das umfangreiche Repertoire der Musiker. Neben bekannten Titeln aus den vergangenen Jahrzehnten fanden auch neuere Stücke ihren Platz im Programm. So entstand ein Abend, der die Entwicklung der Band von ihren Anfängen bis in die Gegenwart nachvollziehbar machte. Wie am Abend mitgeteilt wurde, soll der Erlös des Konzerts sozialen Projekten für Kinder zugutekommen.
Von einem Dorf im Fläming auf die Bühnen Deutschlands
Die Geschichte der Band beginnt Ende der 1970er Jahre im kleinen Ort Lütte bei Bad Belzig. Dort musizierten die Geschwister Norbert, Hartmut, Roland und Marion Leisegang zunächst im familiären Umfeld und bei regionalen Veranstaltungen. Aus diesen Anfängen entstand 1980 die Band „Jogger“, die sich zwei Jahre später in KEIMZEIT umbenannte.
Niemand konnte damals ahnen, dass aus der Gruppe einmal eine der erfolgreichsten und langlebigsten Bands Ostdeutschlands werden würde. Schon früh entwickelte sie einen eigenen musikalischen Stil, der sich bewusst einfachen Einordnungen entzog. Rock, Blues, Folk, Chanson und später auch Einflüsse aus Jazz und Weltmusik verschmolzen zu einem Klangbild, das bis heute unverwechselbar geblieben ist.
Während viele Bands vor allem über ihre Musik wahrgenommen wurden, standen bei der Band von Beginn an auch die Texte im Mittelpunkt. Norbert Leisegang schrieb Lieder voller Bilder, Beobachtungen und Geschichten. Seine Figuren waren selten Helden, sondern Menschen des Alltags – Reisende, Träumer, Suchende oder stille Beobachter.
Eine besondere Stimme in der DDR
In den 1980er Jahren entwickelte sich die Gruppe zu einem Geheimtipp innerhalb der DDR-Musikszene. Die Band spielte zahlreiche Konzerte und gewann eine stetig wachsende Anhängerschaft. Ihre Lieder unterschieden sich von vielen anderen Produktionen jener Zeit durch ihre poetische Sprache und ihren oft hintergründigen Humor.
Nicht immer stießen die Texte bei den Kulturfunktionären auf Zustimmung. Manche Inhalte wurden kritisch gesehen, und die Musiker bewegten sich mitunter an den Grenzen des politisch Erwünschten. Dennoch gelang es der Gruppe, ihren eigenen Weg zu gehen und sich eine treue Fangemeinde aufzubauen. Gerade die Konzerte machten den Ruf der Band aus. Dort zeigte sich bereits jene Mischung aus musikalischer Qualität, Spontaneität und Publikumsnähe, die sie bis heute auszeichnet.
Die Wende als Neuanfang
Mit dem Ende der DDR standen viele ostdeutsche Künstler vor einer ungewissen Zukunft. Zahlreiche Bands verschwanden von der Bildfläche, weil sich die Rahmenbedingungen grundlegend veränderten. Dieser Formation hingegen gelang der Schritt in die neue Zeit.
1990 erschien mit „Irrenhaus“ das erste Studioalbum der Band. Der gleichnamige Titelsong wurde für viele Menschen zu einem musikalischen Spiegel der Umbruchsjahre. Die Texte griffen Stimmungen auf, die zahlreiche Ostdeutsche bewegten: Unsicherheit, Hoffnung, Aufbruch und die Suche nach Orientierung.
Während andere Gruppen Schwierigkeiten hatten, sich im vereinten Deutschland neu zu positionieren, gewann die Band zunehmend auch außerhalb Ostdeutschlands an Aufmerksamkeit. Sie blieb dabei ihrem Stil treu und verzichtete auf jede Anpassung an kurzlebige Trends.
„Kling Klang“ und der große Durchbruch für Keimzeit
Der endgültige Durchbruch gelang Anfang der 1990er Jahre mit einem Lied, das bis heute untrennbar mit der Band verbunden ist: „Kling Klang“. Der Song entwickelte sich überraschend zu einem großen Erfolg und machte die Musiker bundesweit bekannt. Die Geschichte einer Reise nach Feuerland wurde für viele Hörer zum Symbol für Fernweh, Freiheit und die Lust auf neue Horizonte.
Bis heute gehört „Kling Klang“ zu den bekanntesten deutschsprachigen Rocksongs der Nachwendezeit. Zugleich war der Titel für die Band Fluch und Segen. Einerseits öffnete er ihr viele Türen, andererseits drohte er zeitweise, das umfangreiche Gesamtwerk zu überstrahlen.
Doch genau das wusste die Gruppe zu verhindern. Die Band definierte sich nie über einen einzigen Hit, sondern entwickelte ihr Repertoire konsequent weiter. So entstand über die Jahre ein beeindruckender Katalog von Liedern, die weit über den berühmtesten Titel hinausreichen.
Eine Band mit vielen Facetten
Ein wesentliches Merkmal der Band ist ihre musikalische Vielseitigkeit. Sie lässt sich kaum einer festen Stilrichtung zuordnen. Rockige Songs stehen neben ruhigen Balladen, folkloristische Einflüsse neben jazzigen Passagen und poetischen Chansons.
Diese Offenheit spiegelt sich auch in den Texten wider. Mal erzählen sie humorvolle Geschichten, mal widmen sie sich den großen und kleinen Fragen des Lebens. Oft genügt eine scheinbar alltägliche Situation, um daraus eine vielschichtige Erzählung entstehen zu lassen. Songs wie „Singapur“, „Berlinale“, „Hausmeister“ oder „Windstill“ zeigen, wie unterschiedlich die musikalischen Welten der Gruppe sein können. Gemeinsam ist ihnen jedoch die Fähigkeit, Bilder entstehen zu lassen und Geschichten zu erzählen, die lange nachwirken.
Die Menschen hinter der Musik
Untrennbar mit der Band verbunden ist Sänger und Texter Norbert Leisegang. Seine markante Stimme prägt den Sound der Gruppe seit den Anfängen. Gemeinsam mit seinem Bruder Hartmut Leisegang am Bass bildet er bis heute das Herzstück der Formation.
Seit 1993 gehört Andreas „Spatz“ Sperling an Piano, Orgel und Gesang zur Band. Ergänzt wird die Besetzung durch Gitarrist Lars Kutschke, Sebastian Nachtwei an Trompete, Flügelhorn und Gesang sowie Schlagzeuger Lin Dittmann.
Diese Formation verbindet musikalische Erfahrung mit großer Spielfreude. Das zeigte sich auch beim Konzert in Dunkelforth, wo die Musiker die verschiedenen Phasen ihrer Bandgeschichte lebendig werden ließen.
Ein Stück Brandenburg auf der Bühne
Für viele Menschen in Brandenburg besitzt die Band eine besondere Bedeutung. Sie steht für eine Region, ohne sich jemals auf Regionalität reduzieren zu lassen. Ihre Wurzeln im Hohen Fläming sind bis heute spürbar, gleichzeitig haben ihre Lieder längst ein Publikum weit über die Landesgrenzen hinausgefunden.
Gerade deshalb wirkte der Auftritt in Dunkelforth wie eine Rückkehr in vertraute Gefilde. Viele Besucher begleiteten die Band bereits seit Jahrzehnten, andere erlebten sie erstmals live. Zwischen den Generationen entstand dabei eine besondere Verbindung, die nur wenige Gruppen nach so langer Zeit noch herstellen können.
Mit Blick nach vorn
Stillstand war für die Band nie eine Option. Nach zahlreichen Alben und unzähligen Konzerten arbeitet sie weiter an neuer Musik. Die aktuelle Tour steht im Zeichen des inzwischen 14. Studioalbums und beweist, dass kreative Neugier auch nach mehr als vierzig Jahren Bandgeschichte ungebrochen ist.
So war das Konzert in Dunkelforth nicht nur eine Begegnung mit bekannten Liedern, sondern auch ein Blick auf die Gegenwart einer Formation, die sich kontinuierlich weiterentwickelt. Die Mischung aus Klassikern und neuen Songs zeigte, dass sie ihre Geschichte nicht verwaltet, sondern fortschreibt.
Die aktuelle Konzertreise steht im Zeichen des inzwischen 14. Studioalbums „Ach, die Menschen“. Damit beweist die Band, dass sie sich nicht auf ihren Erfolgen der Vergangenheit ausruht, sondern weiterhin neue musikalische Wege beschreitet.
Mehr als nur Nostalgie
Wer den Abend in Dunkelforth erlebte, bekam weit mehr geboten als eine Reise in die Vergangenheit. Die Musiker präsentierten sich als Band, die auch heute noch etwas zu erzählen hat. Die Lieder handeln von Menschen, Sehnsüchten, Begegnungen und Veränderungen – Themen, die zeitlos bleiben.
Vielleicht liegt genau darin das Geheimnis ihres Erfolgs. Während sich musikalische Trends ständig verändern, setzt die Gruppe seit über vier Jahrzehnten auf gute Geschichten, starke Melodien und eine unverwechselbare Handschrift.
Das Konzert in Dunkelforth machte deutlich, warum die Band bis heute einen festen Platz in der deutschen Musiklandschaft besitzt. Was einst in einem kleinen Dorf im Fläming begann, ist längst Teil deutscher Rockgeschichte geworden – und diese Geschichte ist noch lange nicht zu Ende erzählt.
- Weitere Informationen
- Keimzeit
- Konzert mit Keimzeit & Deutsches Filmorchester Babelsberg – 2015

































