Am 26. April 2026 wurde in Brandenburg-Görden der 81. Jahrestag der Befreiung des Zuchthauses gefeiert – ein bedeutendes Gedenken an die Opfer der nationalsozialistischen Justiz und ein Mahnmal für die heutige Gesellschaft. Oberbürgermeister Daniel Keip, der Vorsitzende der Stadtverordnetenversammlung Walter Paaschen sowie zahlreiche Bürgerinnen und Bürger nahmen an der traditionellen Kranzniederlegung am Ehrenmal am Marienberg teil. Die Erinnerung an die Befreiung vor 81 Jahren ist mehr als ein Rückblick: Sie ist ein Auftrag, wachsam zu bleiben und Unrecht entschieden entgegenzutreten.
Das Zuchthaus Brandenburg-Görden: Ort des Unrechts
Das Zuchthaus Brandenburg-Görden war während der NS-Zeit eine zentrale Hinrichtungsstätte und Haftanstalt. Zwischen 1940 und 1945 wurden hier 2.032 Männer aus ganz Europa hingerichtet, darunter politische Gegner und sogenannte „Sicherungsverwahrte“. Diese Menschen litten unter unmenschlichen Haftbedingungen, geprägt von Zwangsarbeit, schlechter Ernährung und Hoffnungslosigkeit. Am 27. April 1945 befreiten sowjetische Truppen rund 3.500 Gefangene aus dem Zuchthaus, die bis dahin unter grausamen Bedingungen festgehalten worden waren.
Gedenken mit besonderem Fokus: Die Sicherungsverwahrten
In den letzten Jahren widmen sich die Gedenkveranstaltungen jeweils einer bestimmten Häftlingsgruppe oder einem einzelnen Gefangenen. Beim diesjährigen 81. Jahrestag standen die „Sicherungsverwahrten“ im Mittelpunkt – eine lange vernachlässigte Opfergruppe des NS-Regimes. Diese Menschen wurden aufgrund des sogenannten „Gewohnheitsverbrechergesetzes“ von 1934 unbegrenzt inhaftiert, oft wegen wiederholter kleinerer Straftaten wie Diebstahl oder Betrug. Die NS-Justiz stufte sie als „gemeinschaftsfremd“ ein und übergab viele von ihnen ab 1942 zur „Vernichtung durch Arbeit“ an Konzentrationslager.
Erinnerung als Verantwortung für die Gegenwart
Oberbürgermeister Daniel Keip betonte in seiner Ansprache, dass der 8. Mai 1945 nicht nur das Ende der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft markiere, sondern auch eine dauerhafte Verpflichtung sei: „Erinnerung bedeutet Verantwortung. Sie fordert, wachsam zu bleiben und Unrecht entschieden entgegenzutreten.“ Auch der brandenburgische Justizminister Benjamin Grimm hob hervor, wie wichtig es sei, aus der Geschichte zu lernen und Menschen nicht auf ihre Fehler zu reduzieren, um solche Unrechtssysteme nie wieder zuzulassen.
Die Bedeutung der Gedenkstättenarbeit
Der 81. Jahrestag der Befreiung des Zuchthauses Brandenburg-Görden ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie Erinnerung und Mahnung Hand in Hand gehen müssen. Die Würdigung der Opfer, das Bewahren der Geschichte und das Engagement für eine gerechte Zukunft sind untrennbar miteinander verbunden. Gerade in einer Zeit, in der demokratische Werte weltweit herausgefordert werden, ist das Gedenken an solche historischen Ereignisse von unschätzbarem Wert.
(Quelle: Pressemitteilungen Stadt Brandenburg / Gedenkstätte Zuchthaus Brandenburg-Görden)
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