Schauspielerin und Sängerin Anna Loos erinnert beim Festakt in Brandenburg an der Havel an die friedliche Revolution und die Verantwortung für die Demokratie. Brandenburger Symphoniker gestalten den musikalischen Rahmen.
Mit einem Festakt im Brandenburger Dom haben die Stadt Brandenburg an der Havel und der Rotary-Club Brandenburg den 36. Jahrestag der Deutschen Einheit gefeiert. Im Mittelpunkt standen die Erinnerung an die friedliche Revolution, die Bedeutung der Freiheit und die Verantwortung für die Demokratie. Festrednerin war die aus Brandenburg an der Havel stammende Schauspielerin und Sängerin Anna Loos, die 1988 im Alter von 17 Jahren aus der DDR in den Westen floh.
Durch den rund 70-minütigen Festakt führte Dr. med. Holger Siggel, Präsident des Rotary-Clubs Brandenburg. Für die musikalische Gestaltung sorgten Marcel Fladerer Armbrecht an der Orgel sowie die Brandenburger Symphoniker unter Leitung ihres Chefdirigenten Andreas Spering.
Freiheit ist ein Geschenk, das geschützt werden muss
Dompfarrerin Susanne Graap eröffnete die Veranstaltung mit einem geistlichen Impuls. Sie erinnerte daran, dass die Menschen mit der Wende zwar Freiheit gewonnen hätten, zugleich aber lernen mussten und weiterhin lernen müssten, mit ihr umzugehen. „Freiheit ist ein Geschenk, sie will gelebt und beschützt werden“, sagte Graap.
Holger Siggel richtete den Blick auf jene Menschen, die nach der politischen Wende in Brandenburg an der Havel Verantwortung übernommen hatten. Dazu gehörten insbesondere die Beteiligten am Runden Tisch, von denen einige auch an diesem Abend im Dom anwesend waren.
„Gemeinschaft entsteht nicht allein, sie braucht Menschen, die Verantwortung übernehmen“, betonte Siggel. Ganz im Sinne der rotarischen Idee gehe es um Menschen, Veränderungen und die Frage, wie sich Stadt und Land weiter lebenswerter gestalten ließen.
Daniel Keip erinnert an Helmut Schliesing
Oberbürgermeister Daniel Keip erklärte, dass die deutsche Einheit für seine Generation längst selbstverständlich sei. Er wurde 1986 geboren und kennt die Ereignisse der Wendezeit nur aus Erzählungen.
So erinnerte er an eine Geschichte seiner Mutter, die am 9. November 1989 bügelnd in der Küche gestanden habe und die Nachricht über die Grenzöffnung im RIAS zunächst für Science-Fiction hielt. Keip würdigte insbesondere die Menschen, die in der Umbruchzeit Verantwortung übernahmen. Dazu zählte er auch den am 19. September 2026 verstorbenen ehemaligen Oberbürgermeister Dr. Helmut Schliesing.
Schliesing stand von 1990 bis 2002 an der Spitze der Stadt und war der erste frei gewählte Oberbürgermeister Brandenburgs an der Havel nach der politischen Wende. Er habe Verantwortung in einer Zeit übernommen, in der kaum absehbar gewesen sei, wie sich die Stadt entwickeln würde. Daraus leitete Keip eine Botschaft an jüngere Generationen ab: „Wir müssen nicht wissen, wie die Zukunft genau aussehen wird, um sie gestalten zu können.“
Anna Loos: „Ich habe mich für die Freiheit entschieden“
Den Höhepunkt des Festaktes bildete die Rede von Anna Loos. Die Schauspielerin und Sängerin, die in Brandenburg an der Havel aufgewachsen ist, schilderte ihren persönlichen Weg aus der DDR.
„Ich bin in einer sehr liebevollen Familie aufgewachsen, hatte eine sehr glückliche Kindheit und Jugend. Dennoch habe ich mich gegen eine Diktatur und für die Freiheit entschieden“, sagte Loos.
Die deutsche Einheit sei keineswegs selbstverständlich gewesen. Sie sei von Menschen auf den Straßen mutig eingefordert worden. Die Erinnerung daran sei auch heute wichtig, denn Demokratie sei kein Zustand, der einmal erreicht werde und anschließend von allein Bestand habe.
„Wir feiern heute die Erfahrung, dass Geschichte gestaltet werden kann – von uns. Demokratie ist für mich kein Fertigteilhaus, für mich ist sie wie ein Garten, der gepflegt und gestaltet werden muss.“ Diese Arbeit könne anstrengend sein, zugleich aber auch große Freude bereiten.
Appell für Kunst, Kultur und gesellschaftliches Engagement
In ihrer Rede sprach Loos auch die Bedeutung von Kunst und Kultur an. Dabei verwies sie auf das Brandenburger Theater, das seit 27 Jahren über kein eigenes Schauspielensemble mehr verfügt. Sie ermutigte dazu, Kunst und Kultur einen festen Platz im gesellschaftlichen Leben einzuräumen.
Das Erbe der friedlichen Revolution bedeute für sie vor allem, selbst Verantwortung zu übernehmen und sich aktiv einzubringen. „Ich bin zuständig, ich fühle mich verantwortlich, ich mische mich ein.“
Mit der Europahymne und der deutschen Nationalhymne endete der Festakt im Brandenburger Dom.
Brandenburger Symphoniker sorgten für den musikalischen Rahmen
Die musikalische Gestaltung übernahmen die Brandenburger Symphoniker unter der Leitung von Andreas Spering. Auf dem Programm standen die Ouvertüre zu „Ruy Blas“ op. 95 von Felix Mendelssohn Bartholdy, der zweite Satz aus Joseph Haydns Symphonie Nr. 92 „Oxford“ sowie drei Sätze aus Georg Philipp Telemanns „Wassermusik“. Marcel Fladerer Armbrecht ergänzte die musikalische Umrahmung an der Orgel.
- Weitere Informationen
- Rotary-Club Brandenburg